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 Bolgar Weißbart

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Dienstag, 24. Januar 2017, 13:13

Brüderchen und Schwesterchen

552. Zeitenwechsel des IV. Zeitalters, Spätherbst


Asavi und Benjamin, die beiden zwölfjährigen Kinder des Melek Jusuf ben Ismail, Herrscher des Reiches der Sonne, fliehen aus der Hauptstadt Bryn und machen sich auf den Weg nach Tal'Rasan. Dort hoffen sie, einen Heiler zu finden, der ihrem sterbenskranken Vater helfen kann.

Ein Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln:
1. Durch Nachdenken - das ist der edelste.
2. Durch Nachahmen - das ist der leichteste.
3. Durch Erfahrung - das ist der bitterste.
(Konfuzius)

2

Dienstag, 24. Januar 2017, 13:43

(Asavi)

Asavi traute sich erst erleichtert aufzuatmen, als sie Bryn endlich hinter sich gelassen hatte. Noch nachdem sie den Palast verlassen hatten, hatte sie damit gerechnet, jeden Moment von jemanden erwischt zu werden und wieder zurück in den Palast gebracht zu werden. Doch sie alle waren zu sehr damit beschäftigt, wer der nächste in der Machtreihenfolge war, um sich wirklich um die zwei Kinder zu scheren.
"Das ist das erste Mal, dass ich Bryn verlasse." flüsterte Asavi, als hätte sie Angst irgendjemand könnte sie jemand hören und immer noch erwischen.
Ab jetzt würde sie sich vollkommen auf ihren Bruder verlassen müssen, denn sie hatte keine Ahnung, wie sie nach Tal'Rasan kommen würden.
"Vielleicht hätten wir doch die Pferde nehmen sollen." Sie sah zu Benjamin, sie selbst war es gewesen, die es zu für gefährlich empfunden hatte die Tiere aus ihrem Stall zu holen und zu Satteln, denn der Stallknecht hätte sie verraten können. Nun würden sie zu Fuß gehen müssen.
"Was meinst du? Wie lange brauchen wir wohl bis Tal'Rasan?" plötzlich war sie gar nicht mehr so mutig, wie sie sich noch innerhalb der Palastmauern gefühlt hatte.

 Bolgar Weißbart

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Dienstag, 24. Januar 2017, 14:05

(Benjamin ben Jusuf)

»Eine Woche, vielleicht zwei. Wenn wir uns einer Karavane anschließen sogar schneller. Die Kameltreiber kennen sichere Wege durch die Wüste und wissen, wo Wasserstellen sind.«
Benjamin strahlte über das ganze Gesicht. Endlich wurde sein sehnlichster Wunsch wahr. Endlich ließ er die engen Mauern der Stadt hinter sich und kam hinaus in die weite Welt.
Sie folgten der Straße gen Westen. So nahe der Stadt waren viele Menschen unterwegs. Sternförmig erstreckten sich die Bewässerungsarme rund um die Stadt herum und ermöglichten es den Bauern ihre Felder zu bestellen und das Vieh zu weiden. Ein Vogel, der hoch über Bryn dahinzog musste einen riesigen grünen Stern sehen, in dessen Zentrum sich der Palast befand, umgeben von den Stadtvierteln der Kaufleute, Handwerker, Soldaten und Bediensteten.
Sie waren noch nicht weit gekommen, als Benjamin an einer Schafweide stehen blieb. Ein Junge in ihrem Alter saß dort unter einer Pappel und kaute an einem Gradhalm. Auf seinem Schoß hatte sich ein kleines Lamm eingerollt.
»Oh! Schau nur! Wie klein und süß es ist!«, rief er aus und rannte über die Weide auf den Jungen zu.

Ein Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln:
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(Konfuzius)

4

Mittwoch, 25. Januar 2017, 05:51

(Asavi)

"Benjamin! Warte!" rief Asavi ihren Bruder hinterher, folgte ihm aber dann, was blieb ihr auch schon anderes übrig. "Dafür haben wir wirklich keine Zeit." keuchte sie, als sie ihn endlich eingeholt hatte. "Das weißt du doch, oder? Komm. Wir müssen gehen." Zwar fand sie das kleine Lämmchen auch süß, aber irgendjemand musste ja dafür sorgen, dass sie ihr Ziel erreichen.
Der fremde Junge lächelte, als Benjamin ihn erreicht hatte. "Willst du es mal streicheln?" fragte er und nun gab Asavi auf Benjamin weiter überzeugen zu wollen. Wahrscheinlich würde sie damit mehr Zeit verschwenden, als wenn sie ihm das kurze Vergnügen einfach ließ.
Sie merkte wie ihre eigenen Augen zu leuchten begannen, als das Lämmchen den Mund öffnete und einen Ton von sich gab, der sich noch gänzlich von dem der erwachsenen Tiere unterschied. Sie streckte ihre Hand aus und fuhr das gekräuselte Fell.
"Wie alt ist es?" fragte sie den Jungen, der sich über die Gesellschaft freute. "Es wurde letzte Woche geboren, seine Mutter ist dabei gestorben, das passiert schon mal, deshalb kümmere ich mich jetzt nun darum."
Die Worte versetzten Asavi einen Stich. Sie wusste nur zu gut, wie das kleine Lämmchen sich fühlen musste. Mit der freien Hand griff sie nach der Benjamins, denn sie wusste, dass er in diesem Moment genau das gleiche empfand wie sie selbst.

 Bolgar Weißbart

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Samstag, 28. Januar 2017, 11:56

(Benjamin ben Jusuf)

Benjamin zuckte bei den abgeklärten Worten des Jungen innerlich zusammen. Er hatte seine Mutter nie kennengelernt. Nur aus den Erzählungen seines Vaters oder der anderen Bewohner des Tempels wusste er, wie seine Mutter gewesen war.
»Hat es schon einen Namen?«, fragte er den Jungen und riss sich damit selbst aus den aufkommenden trüben Gedanken.
»Einen Namen?«, fragte der Junge zurück. Er wirkte etwas perplex und überrascht.
»Haben die Tiere deiner Herde etwa keine Namen?« Benjamin war erstaunt. Er hatte sich immer vorgestellt, dass die Hirten jedes ihrer Tiere beim Namen kannten und sie auch noch voneinander unterscheiden konnten.
Der Junge dachte eine Weile nach.
»Nein. Aber das ist eine wundervolle Idee! Wollt ihr mir helfen, Namen für alle Tiere auszudenken!?« Ein Strahlen der Begeisterung lag in seinen Augen.
Benjamin schaute hinüber zu seiner Schwester. Er wusste, dass sie weitermussten. Das Leben ihres Vaters stand auf dem Spiel.

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(Konfuzius)

6

Montag, 30. Januar 2017, 06:18

(Asavi)

"Es ist wirklich eine schöne Idee, aber wir haben leider keine Zeit. Wir müssen wirklich ganz dringend weiter." Asavi sah entschuldigend zu ihrem Bruder und schüttelte langsam den Kopf.
"Aber vielleicht können wir das ja später einmal nachholen. Wenn wir wieder zurück sind. Ich würde mich wirklich freuen!"
Sie verabschiedeten sich von dem Jungen und eilten den Weg weiter in Richtung Süden.
"Wir dürfen uns nicht ablenken lassen. Jede Minute zählt, denn wir könnten jede Minuten zu spät kommen."
Asavi war es nicht gewöhnt so weite Strecken zu laufen. Zwar war sie den ganzen Tag auf den Beinen und half im Palast wo sie konnte, doch es war etwas ganz anderes auf den Wegen in der Wüste zu wandern. Sie biss die Zähne zusammen und als sie endlich einen Platz zum übernachten gefunden hatten und sie ihre Schuhe auszog, waren diese von Blasen übersäht.

 Bolgar Weißbart

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Sonntag, 26. Februar 2017, 20:06

(Benjamin ben Jusuf)

»Oh! Das sieht aber nicht gut aus, Mädchen!«, ein alter Mann, der ebenfalls sein Nachtlager an der kleinen Oase aufgeschlagen hatte, kam zu ihnen herüber und schaute mitleidig auf Asavi hinab. »Das sollten wir nicht so lassen. Das beste, was gegen Blasen an den Füßen hilft, ist frischer Kameldung!«
Benjamin und Asavi schauten sich entgeistert an. Dann sahen sie, wie der Alte seine nackten Füße in einen großen Kamelfladen drückte.
»Los! Kommt schon her, solange er noch schön warm und frisch ist!«
Die beiden Kinder erhoben sich und gingen zögerlich dem alten Mann hinterher. Auch Benjamins Füße waren Blasenübersät. Doch die Vorstellung sie in einen stinkenden Kamelfladen zu stecken eckete ihn doch an.

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8

Dienstag, 28. Februar 2017, 06:44

(Asavi)

Asavi war es, die als erste ihren Ekel überwand und ihre schmerzenden Füße in den Dung tauchte. Sie verzog die Nase und erwartete schon fast ein unangenehmes Gefühl, doch tatsächlich schmerzten ihre Füße gleich etwas weniger. "Oh, das ist unerwartet." quickte sie und grinste ihren Bruder an. "Du solltest es auch mal versuchen, Benjamin. Es hilft wirklich, zumindest für den Moment."
Asavi sah den alten Mann an und neigte den Kopf ein wenig. "Vielen Dank." sagte sie. "Mein Bruder und ich sind auf dem Weg nach Tal'Rasan und wir sind das erste Mal ohne Begleitung unterwegs. Und was führt sie in die Wüste hinaus?" fragte sie und kicherte als auch Benjamin zögerlich seine Füße in den Dung tauchte.

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Freitag, 3. März 2017, 16:47

(Benjamin ben Jusuf)

»Nach Tal'Rasan wollt ihr also. Ein gefährlicher Ort dieser Tage. Habt ihr euch das auch wirklich gut überlegt?«
»Ja!«, Benjamin nickte eifrig, während er mit seinen Füßen im Dung herumtapfste. »Wir brauchen die Hilfe der dortigen Heiler!«
Der Alte grummelte etwas in seinen Bart, das klang wie »Die brauchen viele!«
»Unser Vater ist nämlich schwer krank und benötigt starke Arznei!«
»Dann hoffe ich für euch, dass die Heier euch helfen können«, brummte der Alte. »Ich bin auf dem Weg gen Süden. Es heißt, dort unten ginge seltsames vor sich.«

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10

Samstag, 4. März 2017, 06:09

(Asavi)

"Etwas seltsames?" Wiederholte Asavi, stellte damit aber eine Frage. In Bryn bekam man nur wenig von dem mit, was im Rest des Kontinents so passierte. Vielleicht aber erzählte man den Beiden auch einfach nicht alles.
"Ja." nickte der Mann eifrig. "Dort soll eine ganze Stadt einfach aus dem Nichts, aus dem Sand entstanden sein und es soll dort mystische Kräfte geben. Magie." Das letzte Wort flüsterte er und Asavi klappte der Mund auf. "Magie? Aber das sind doch nur Märchen."
"Vielleicht, vielleicht aber auch nicht."
Asavi überlegte kurz, spürte aber schnell wieder die Müdigkeit in ihren Knochen.
Als sie am nächsten Morgen aufwachte, war der Mann schon verschwunden. Das Mädchen sah zu ihrem Zwilling, während sie sich für die weitere Reise fertig machten. Sie hatte ein Stück Brot und etwas Ziegenkäse in der Hand, da sie beschlossen hatten keine Zeit mit frühstücken zu vergeuden.
"Was meinst du Benjamin? Glaubst der Mann hat recht? Magie?"

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Samstag, 4. März 2017, 16:47

(Benjamin ben Jusuf)

»Vater sagt, die Magie sei am Ende des letzten Zeitalters verschwunden und seitdem habe sie sich nie wieder manifestiert«, sagte er mit vollem Mund, ehe er den Bissen mit einem krüftigen Schluck Ziegenmilch herunterspülte. »Andererseits erzählen manche von den älteren Naar, die ihm schon in der Zeit des Tolea-Kultes gedient haben, er habe eine mächtige magische Verbindung zu jenem Wesen gehabt, das sie als den mächtigen Tolea verehrt haben. Und überleg doch mal, wie alt Vater schon ist. Alle, die mit ihm aus den Höhlen zurück an die Oberfläche gekommen sind, sind schon lange tot. Er ist alt, aber immer noch stark und vital.«
Er packte Asavi an den Schultern, wobei ihnen beiden das Brot aus den Händen fiel, schüttelte sie und lachte. »Vielleicht ist er ein mächtiger Magier und wir werden es auch eines Tages sein!«

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Dienstag, 7. März 2017, 07:53

(Asavi)

"Mhmm. " überlegte Asavi. "Ich weiß gar nicht so genau, ob ich das wirklich wollen würde."
An diesem Tag kamen sie nicht ganz so gut voran wie an dem Tag zuvor. Asavis Muskeln schmerzten von der ungewohnten Belastung und die Blusen wurden auch nicht besser, so daß sie öfter halten mussten um eine Pause einzulegen, doch danach ging es immer nur noch schlechter als besser. Es war nur der Gedanke, dass ihr Vater so schnell wie möglich Hilfe benötigte, der sie durchhalten ließ.

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Dienstag, 7. März 2017, 21:38

(Benjamin ben Jusuf)

»Hallo ihr zwei!« Ein Eselskarren machte neben ihnen halt.
»Ihr schaut mir aber sehr erschöpft aus«, sprach sie eine kräftige Frau an, die die Zügel des Wagens hielt. »Wo wollt ihr denn hin? Vielleicht kann ich euch ein Stück mitnehmen. Mein Ziel ist die kleine Siedlung dort hinten bei der Oase.«
Benjamin brachte mühevoll ein Lächeln zustande. Die heiße Mittagssonne hatte ihn und seine Schwester ganz ausgetrocknet. Ihr Wasservorrat war viel zu schnell zur Neige gegangen.
»Wir wollen nach Tal'rasan«
»Nach Tal'rasan? Da habt ihr aber noch einen sehr weiten Weg vor euch. Kommt, klettert auf meinen Wagen. Bis zur nächsten Siedlung nehme ich euch mit. Vielleicht findet ihr dort auch jemanden, der euch weiter auf der Handelsstraße nach Westen mitnimmt.«
Dankbar kletterten die Zwillinge auf den Wagen, der mit frischem Obst und Gemüse beladen war.
»Wollt ihr ein paar frische Datteln? Und hier ist mein Trinkschlauch! Ihr braucht unbedingt mehr Flüssigkeit in eurem Körper! Tal'rasan also, was wollt ihr denn dort?«

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Freitag, 10. März 2017, 07:04

(Asavi)

"Vielen Dank!" Asavi und Benjamin sprangen auf den Wagen auf. Das Mädchen war vollkommen überwältigt von der Freundlichkeit der Menschen hier. Ihr Vater hatte immer davon gesprochen wie gefährlich die Welt da draußen war, doch bisher war man ihnen immer offenherzig und so freundlich gegenübergetreten, dass Asavi ihr Glück kaum fassen konnte. Sie bedienten sich am Wasser und den Datteln die die Frau ihnen angeboten hatte. Im Gegenzug wollte Asavi diese Geste mit ein paar Münzen erwidern, doch die Frau schüttelte nur den Kopf.
"Nicht doch, Kindchen. Ich bin froh über die abwechselnde Unterhaltung die ihr Zwei mir bietet." lächelte sie über den Rücken zu ihnen in den Wagen.
"Wir haben gehört, dass es in Tal'Rasan eine sehr fähige Heilerin gibt und wir sind auf der Suche nach ihr." beantwortete Asavi die Frage der Frau. "Unser Vater ist sehr krank und wir hoffen, dass sie ihn retten kann!"
"Oh, ihr meint sicher dieses Mädchen, Zia, nicht?" Noch immer lächelte die Frau. Asavi sah zu Benjamin. "Ihr kennt sie?" hauchte das Mädchen und die Frau nickte. "Oh ja, ich kenne sie. Sie hat meinem Neffen das Leben gerettet. Er wurde in dem Bürgerkrieg verletzt. Sie hat vielen Kriegsopfern das Leben gerettet. Aber auch wenn der Krieg vorbei ist, ist es in Tal'Rasan noch sehr gefährlich. Kein Ort für zwei so liebreizende Kinder wie ihr es seid."

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15

Donnerstag, 4. Mai 2017, 08:43

(Benjamin ben Jusuf)

»Wisst Ihr, wo wir sie finden können?«, fragte Benjamin aufgeregt. Vielleicht würde ihre Suche gar nicht lange dauern und sie konnten die Heilerin schnell nach Bryn zu ihrem Vater bringen.
»Sie wohnt in einem kleinen Haus nahe der südlichen Stadtmauer. Aber dort werdet ihr sie wohl nicht antreffen. Sie ist täglich in der Stadt unterwegs und versorgt die Kranken und Verletzten.«
Benjamins Aufregung wurde etwas gedämpft. Die Vorstellung eine ganze Stadt nach der Heilerin abzusuchen, fachte nicht gerade seine Begeisterung an.
Er kannte Bryn und seine verwinkelten Gassen. Sein Vater wusste nichts davon, doch er hatte sich schon oft heimlich hinaus geschlichen und war durch die Viertel der Stadt geschlendert. Nicht nur einmal hatte er sich verlaufen und ewig gebraucht, um wieder zurück zum Palast zu finden.

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Freitag, 5. Mai 2017, 06:47

(Asavi)

"In der ganzen Stadt?" Asavi musste sich bemühen ihren Mund vor staunen nicht aufzureißen, doch die lachte nur leise. "Nein, nein, wo denkst du denn hin, Kindchen. Auf ihr Geheiß wird das Haus der Heilung wieder aufgebaut, aber viel größer als zuvor. Sie ist die meiste Zeit des Tages dort anzutreffen. Dort und in der Kathedrale, dort wurden die Verletzten übergangsweise untergebracht. Aber täglich können Kranke die Kathedrale verlassen, sie ist eine außergewöhnliche Heilerin. Schon bald wird das Haus der Heilung wieder genügen um alle Kranken und Verletzte unterzubringen."
Ein Lächeln kehrte in Asavis Gesicht zurück und sie knuffte mit ihrer Schulter an die ihres Bruders.
Gegen Abend erreichten sie endlich die kleine Siedlung von der die Frau gesprochen hatte. Hier würden sie sicher für die Nacht unterkommen und am nächsten Tag konnten sie sich umhören, ob vielleicht ein Händler in den nächsten Tagen Richtung Tal'Rasan aufbrechen würde.

 Bolgar Weißbart

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17

Donnerstag, 8. Juni 2017, 11:28

(Benjamin ben Jusuf)

Die Nacht blieb ereignislos. Sie waren im Haus der Frau untergekommen und am nächsten Morgen hatte sie ihnen noch einen großen Beutel Essen und Trinken mitgegeben. Ein Händler nahm sie mit nach Tal'Rasan. Die Frau hatte mit ihm gesprochen und er sich bereiterklärt, die beiden Geschwister mitzunehmen.
Sie waren weitere fünf Tage unterwegs, übernachteten unter freiem Himmel und mussten dem Händler helfen, seine Tiere zu versorgen. Es war ein anständiger und ruhiger Mann, der nicht viele Worte verlor.
Etwas unheimlich fanden die beiden Kinder seinen Viehtreiber, einen grobschlächtigen hochgewachsenen Mann mit narbenübersähten Gesicht. Er sprach kein Wort und zeigte auch keinerlei böswilliges Verhalten und doch strahlte er eine bedrohliche Aura aus.
Am fünften Tag ihrer Reise mit dem Händler erblickten sie um die Mittagszeit am Horizont die Umrisse einer großen Stadt - Tal'Rasan. Ihr Ziel war in unmittelbare Nähe gerückt.

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Freitag, 9. Juni 2017, 07:49

(Asavi)

Die Stadt war vollkommen zerstört und Asavi war ungewöhnlich ruhig, als sie so durch die Straßen gingen. Nie zuvor hatte sie soviel Leid gesehen. Plötzlich schien es ihr fast egoistisch die Heilerin von hier weg, zu ihrem Vater zu locken. Zwar war der Bürgerkrieg bereits seit ein paar Monden vorbei und die schlimmsten Trümmer beseitigt, die durch die unzähligen Brände entstanden waren, doch es würde noch lange dauern, bis jeder Mensch dieser Stadt wieder ein Dach über dem Kopf hatte und bis dahin würde es sicher noch viele Kranke und Tote geben.
"Dort muss das Haus der Heilung sein!" rief Asavi, als sie ein Gebäude erblickte, an dem kräftig gebaut wurde. Trotzdem blieb sie stehen und sah ihren Bruder an. "Ist es richtig, dass wir das tun?" fragte sie ihn ernst.

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